OrtschaftenDienstag 05 Dezember 2017

Caraglio: Ausstellung in der ältesten Seidenfabrik in Europa, die noch existiert [Video und Foto Galerie]

lm Filatoio di Caraglio, findet die erste italienische Einzelausstellung des vielseitigen französischen Künstlers Jérémy Gobé mit Titel "Terra di seta“ bis zum 7. Januar 2018 statt.

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Stoff ist der Leitfaden der gesamten Ausstellung, die eine explosive fantasievolle Ladung, aber auch eine tiefgründige historisch-soziale Bedeutung hat. Die Ausstellung ist in der Tat ein Denkmal für Arbeit und menschliche Bestrebungen, die der Textilarbeiter und diejenigen des Künstlers. "Site Specific" -Werke, das heisst, ausgedacht und geschaffen, um in dieser harten Arbeitsumgebung eingeführt zu werden, eine Szene von Skulpturen und Installationen von aussergewöhnlicher Schönheit und grosser Wirkung bildend.

Gobé, deren künstlerischer Weg aus der französischen Textiltradition stammt, fasst Fäden zusammen, die eine Metapher, Symbol und Engagement werden, und eine tiefe Überlegung bzgl. des menschlichen Zustands und der Zeit, inspiriert. Ab der permanenten Installation, die ihre Tentakeln bis zur imposanten Fassade der Textilfabrik ausstreckt: La Liberté Guidant la laine, immenses rotes Jacquard, deren Oberfläche sich auf aufgerichtete Fäuste und Hände zu erheben scheint, und evoziert so, instinktiv und stark, die Gesten und Instanzen des berühmten Gemäldes von Eugène Delacroix, Freiheit, die das Volk führt, das zum Symbol der Französischen Revolution wurde.

Die Installation von Gobé ruft in Erinnerung die sehr harten Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter, gestern in Frankreich und Italien, heute im Fernen Osten. So  das andere Werk, 400.000  zarte Kokons: Seidenraupen, die drei Jahrhunderte lang das Glück der Spinnerei gemacht haben, werden ein organisches, lebendiges Werk, das etwa 400.000 Kilometer kostbaren Seidenfaden umfasst.

Eine Einladung, sich vorzustellen, wie heutige Jules Verne, die Entfernung der Erde zum Mond, Schritt für Schritt, in einem empfindlichen Gleichgewicht, eine fantastische Reise zu ergreifen. Der Mond ist immer eine Quelle der philosophischen Inspiration poeticae gewesen, der Gegenstand der Bestrebung und Seufzer, Einladung die verzauberten Augen zum Nachthimmel zu heben, kehrt zurück im Ton einer Apollo-Mission, in einer Videoinstallation eingesetzt, die die Details der Webearbeit enthüllt.

Statt dessen ist es die Luft,die zehn Meter von leichtem Seidenstoff gestaltet, wodurch Torsions, die je nach Perspektive, Licht, oder Schatteneffekte, Muskelkontraktionen, schwebende Mähnen oder Faltenwurfe zeichnen, sich auf klassische Ikonographie berufen.

Auch in der Serie Extases verseucht die Textilien Sprache einen Eckpfeiler der Kultur und der westlichen Kunst, den der platonischen Körper, dessen perfekte Symmetrien durch die Seidenmaterie verstärkt werden. Mit Eurêka ist die Inspiration die Theorie des platonischen Körpers, mit fünf "perfekten“ Polyeder, die die fünf Elemente symbolisieren: Wesen und Ursprung aller Dinge (Feuer, Luft, Wasser, Erde, Universum), präsentiert in Seide gewickelt und drapiert, zwischen Himmel und Erde, zwischen Boden und Decke hängend.

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Geboren im siebzehnten Jahrhundert durch eine Eingebung der Savoyer, die Anforderung von feinster Seide vom Hof von Louis XIV zu beantworten, ist die Seidenfabrik ein lebendiges Symbol der piemontesischen industriellen Textil Vergangenheit, die zwischen dem siebzehnten und neunzehnten Jahrhundert, Italien und Frankreich durch den Handel, Technik und Kultur verbindete. Heute ist das Filatoio ein kulturelles Zentrum. Im Innern die Holzmaschinen, Seidenspinnereien  piemontesischer Art - mit philologischer Geduld unter der Leitung von Professor Flavio Crippa rekonstruiert - mit ihren Spulen und Tausenden von Stangen, Rädern und Getrieben, sind wiedergeborene Zeugen der Arbeiten und des technologischen Genies einer lang vergangenen Zeit. Heute durch Strom angetrieben, während draussen die Dunkelheit die Ebene umhüllt, wiederholen Sie den tödlichen Charme der Vergangenheit: die Kreisspinnen und quietschende Maschinen, wie durch Magie, tauchen jene Räume in eine ferne Zeit und die Besucher, wie in ein fantastisches Buch, man muss sich nur durch die schmerzhafte und schrillen Erzählung, aber nicht weniger verträumt, im abgelegenen Caraglio, transportieren lassen.

Judit Neuberger,

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