VeranstaltungenMontag 12 Februar 2018

Sanremo: Die Sieger des diesjährigen Festivals [Videogalerie]

Es gewann ein Song, mit einem aktuellen sozialen Thema, nicht ein Liebeslied, selten für dieses Festival. Ermal Metas Antwort an die Journalisten: "Unseres ist ein Lied der Liebe für die Menschheit".

Sanremo: Die Sieger des diesjährigen Festivals [Videogalerie]

 In der "Big" Gruppe triumphierten Ermal Meta und Fabrizio Moro mit "Du hast mir nichts getan", mit der besten Note der Qualitätsjury,, Pressesaal und demoskopischen Jury.

An zweiter Stelle kam Stato Sociale mit "Una vita in vacanza" (Ein Leben im Urlaub), und dritte wurde Annalisa mit "Il mondo prima di te" (Die Welt bevor Dir) platziert.

Ron gewann den Mia Martini Preis der Kritik, mit einem unveröffentlichten Song vom verstorbenen Lucio Dalla (der Autor vom berühmten "Caruso" Lied) "Almeno pensami" (Wenigstens denk an mich).

Ultimo mit “Il ballo delle incertezze” ("Der Tanz der Ungewissheiten") an der Spitze der Jungen, zweiter und auch Preis der Kritik Mirkoilcane mit “Stiamo tutti bene” ("Wir sind alle in Ordnung"), dritter Mudimbi mit “Il mago” ("Der Zauberer").

Meines Erachtens lohnt es sich, den Text dieser beiden engagierten Lieder, die zwei verheerende Wirklichkeiten unserer Zeiten sehr gut beschreiben, zu lesen:

"Non mi avete fatto niente" (Ihr habt mir nichts getan), von Ermal Meta und Fabrizio Moro

In Kairo wissen sie nicht wie spät es jetzt ist
Und die Sonne auf der Rambla heute ist nicht die selbe
In Frankreich gibt es ein Konzert Leute haben Spass
Jemand singt laut, jemand weint Tod
In London regnet es immer, aber heute tut es nicht weh,
der Himmel macht keine Rabatte nicht einmal bei einer Beerdigung
In Nizza ist das Meer rot von Feuer und Scham
von Menschen auf dem Asphalt und Blut in der Kanalisation.
Und diesen riesigen Körper nennen wir Erde,
verwundet in ihren Organen von Asien bis England
Galaxien von im Raum verstreuten Menschen
aber wichtiger ist der Raum einer Umarmung von Müttern ohne Kinder,
von Kindern ohne Väter von Gesichtern,
die wie Wände ohne Bilder beleuchtet sind
Minuten der Stille von einer Stimme gebrochen
Ihr habt mir nichts getan Ihr habt mir nichts getan Ihr habt mir nichts weggenommen
Dies ist mein Leben, das über alles hinausgeht, über Menschen hinaus
Ihr habt mir nichts getan Ihr habt nichts gehabt
Weil alles über Eure nutzlosen Kriege hinausgeht
Es gibt diejenigen, die das Kreuz machen und diejenigen, die auf Teppichen beten,
die Kirchen und die Moscheen, Imam und alle Priester
trennen Eingänge des gleichen Hauses
Milliarden von Menschen, die auf etwas hoffen
Arme ohne Hände, Gesichter ohne Namen
Lass uns unsere Haut austauschen, wir sind alle Menschen,
weil unser Leben kein Standpunkt ist
und es keine pazifistische Bombe gibt 
Die Wolkenkratzer und die U-Bahnen werden fallen
die erhobenen Wände des Kontrastes für das Brot,
aber gegen alle Schrecken, die den Weg behindern
erhebt sich die Welt mit dem Lächeln eines Kindes 
Ich bin mir bewusst, dass nicht alles zurückkommt
Glück flog wie eine Luftblase davon fliegt.


"Stiamo tutti bene" (Wir sind alle in Ordnung) von Mirkoilcane

Hallo, mein Name ist Mario und ich bin 7 und einhalb Jahre für Genauigkeit
Ich mag die Sonne, Freundschaft, gute Leute, Fussball,
fröhliche Lieder und der gute Duft der Haut meiner Mutter
mein Vater ist seit ein paar Monaten nicht zurück,
aber wehe jemanden, vor allem mit meiner Mutter, zu sprechen,
weil sie sich schlecht fühlt, schreit, weint und nicht mehr aufhört,
und drei Tage lang sich versteckt und sich nicht mehr zeigt,
aber heute ist ein glücklicher Tag
ein Ballon ist hierher gekommen
und ich kann endlich stark und ein Fussballer werden
ich kann schon mit dem Ball üben
mit Steinen ist es anders
aber ich bin begünstigt
weil ich schnell wie der Wind renne
und dann fliege ich mit den anderen Kindern auf die Lichtung,
wer zuletzt das Tor erreicht
weisst Du was für eine Nerverei
ich komme immer als Erster an
und dann bin ich Stürmer, weiche aus, dribble,
schiesse ins Tor
und der Torwart kann nichts tun,
dann höre ich von weitem:
"Mario komm her, wir nehmen alles, was wir haben,
und wir erreichen Papa"
Mutter, gerade jetzt, ich bin dabei einen Elfmeter zu schiessen,
aber nichts zu machen, und wir gehen,
besser nicht polemisieren,
Wir sind alle in Ordnung
kein Grund  uns Sorgen zu machen, und zu stören
Aber siehe mal was für ein Pech
gerade mir musste es passieren
vier Tage auf dem Boot, um uns nur noch das Meer,
aber findest du das gerecht
man geht zum ersten Mal in Urlaub
und diejenigen da vorne sind fähig den Weg zu irren
und dann dies Boot zu nennen, braucht Mut 
zu dritt in einem halben Meter Platz sitzen
und wie ich, andere 200 alle damit beschäftigt zu beten,
und ich würde einfach aufstehen und mit dem Ball üben
Aber wenn ich nur einen Zentimeter den Fuss hinausstrecke,
wacht der vor mir auf und beginnt zu sagen er hat Durst
auch ich habe Durst, Hunger, bin müde
und meinen Rücken schmerzt,
aber es ist nicht nötig, eine ganze Szene zu machen
Und dann ist dieser daneben, der die Augen geschlossen hat,
öffnet sie nicht mehr, hat zwei Tage lang geschlafen, der nicht zu atmen scheint.
Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so sehr geschlafen hat,
ich fragte Mama und Mama sagte, er sei wirklich müde.

Hm...Vor drei Tagen haben sie ca. zwanzig ins Meer geschmissen
Mama sagt sie wollten schwimmen
ich hörte sie schreien und schienen nicht glücklich,
aber zumindest habe ich jetzt ein wenig Raum für die Füsse
Es ist der sechste Tag jetzt schlafe ich, auch Mama und ein magerer Kerl
ein bisschen später schreit sie, dass sie die Madonna sieht
und dieses Boot stinkt jetzt nach Benzin und Tod,
und Mutter sagte, darauf nicht achten und stark zu sein,
ein braver Junge, und hier sitzend bleiben
Mama schläft nun ein und erreicht Papa,
aber sie weinte und versuchte zu lächeln,
vielleicht war sie auch nur so müde.
Jetzt ist nur noch Stille rundum
und das macht mir Angst
es ist Nacht geworden, mir ist kalt
und im Himmel steht nicht einmal der Mond
Menschen schreien um Hilfe, aber niemand antwortet
ich schaue mich um und unnötig zu sagen,
ich sehe immer nur Welle nach Welle, 
dann, um nicht wie andere einzuschlafen
und ins Meer geworfen zu werden
schliesse ich mich dem Chor des Bootes an
und beginne zu weinen und schreien
habe keine Kraft, schliesse meine Augen
und ich kann nicht einmal schwimmen.

 

Judit Neuberger

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